Europäische Abschottungspolitik & Frauen, die Schutz suchen
Editorial
„Empört euch!“, fordert die Journalistin Yasmin Maatouk in ihrem Kommentar. Wenn im Europäischen Parlament bei der Verschärfung von Asylgesetzen „Send them back“ skandiert wird, braucht das eine deutliche Antwort. Maatouks Text ist Teil unseres umfassenden Themenschwerpunkts zu Migrationspolitik und den Lebensbedingungen geflüchteter Frauen und Queers in Europa. Anlässlich der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS), um die jahrelang gerungen wurde, analysieren wir die neuen Gesetze, die nun Abschreckung über Schutz stellen.
Dass vor allem Abwehr das Ziel ist, bekommen private Seenotretter:innen zu spüren, die mit immer stärkeren Repressionen zu kämpfen haben, wie unsere Reportage zeigt. Das Ende der Solidarität scheint auch für Geflüchtete aus der Ukraine erreicht: Viele Hilfeleistungen wurden inzwischen stillschweigend beendet. Wir haben nachgefragt, wie das Leben der betroffenen Frauen, Kinder und queeren Menschen heute aussieht. Auch die drastischen Beschränkungen des Familiennachzugs trifft viele Menschen hart. Dieser wird in Österreich nun über eine strenge Quote geregelt – Menschenrechtsorganisationen kritisieren das als völker- und europarechtswidrig. Dass es mit dem Schutzversprechen oft nicht weit her ist, zeigt auch unser Text über die Situation geflüchteter Frauen in Deutschland, denen es enorm erschwert wird, eine gewalttätige Beziehung zu verlassen, weil ihr Aufenthaltsstatus vom Ehepartner abhängt. Illegalisierung verstärkt also patriarchale Gewalt und Missbrauch weiter.
Empört euch – und solidarisiert euch! Und schließt ein an.schläge-Abo ab, um unser Weiterbestehen zu sichern.
Eure an.schläge
an.schläge VI/2026 erscheint am 23.10.26

MIGRATION
Neue Freiheit
Der Familiennachzug wurde in Österreich streng begrenzt. Für Frauen wie Zohre Ahmadi bedeutet er ein neues Leben.
Von LAURA HELENE MAY
Das Ende der Solidarität
Wie sieht das Leben der Frauen, Kinder und Queers aus der Ukraine heute aus?
Von SOPHIA KRAUSS
Abschied von der Rechtsstaatlichkeit
Zehn Jahre rang die EU um neue Asylregeln. Nun stellt sie Abschreckung über Schutz.
Von VALERIA HÄNSEL
Von Nachbarin zu Nachbarin
Der Verein „Die Nachbarinnen“ unterstützt nach Wien zugewanderte Frauen.
NORA BAUER hat mit AYTEN PACARIZ über Glücksgefühle gesprochen.
Algorithmische Radikalisierung
Was wir aus der Jugendstudie über antidemokratische Einstellungen junger Zugewanderter lernen können.
Von FLORA NEUBERT
Bleiberecht als feministische Politik
In Spanien bekommen hunderttausende illegalisierte Menschen einen Aufenthaltstitel.
Von ALINA MIERICKE
Schutzversprechen
Für geflüchtete Frauen in Deutschland ist es schwer, eine gewalttätige Beziehung zu verlassen.
Von MIA PANKOKE

POLITIK
an.riss
Kurzmeldungen
Feministinnen im Rücken
Was macht Linke erfolgreich – gerade dort, wo Rechte zunehmend den Ton angeben?
Von BRIGITTE THEISSL
an.riss international
Kurzmeldungen

GESELLSCHAFT & KULTUR
an.riss Kultur
Kurzmeldungen
an.lesen
Kurzrezensionen
an.lesen: Ein Name wie ein Paukenschlag
JOHANNA SEBAUER entwirft in ihrem Roman das Motiv des Doppelgängers neu.
Von LEA SUSEMICHEL
an.klang: Zukunft im Nacken
SKOFI mischt mit eingängigen Beats und nachdenklichen Texten die Wiener Musikszene auf.
Von FLORA NEUBERT
an.sehen: Planwirtschaft von unten
Die Doku „Jeder Acker, jede Fabrik“ ist eine praktische Betriebsanleitung für den Systemumbruch.
Von NINA SÜSSMILCH

KOLUMNEN
eu-kolumne: Die Werte, die sie meinen
Von CLARA SCHWEIGHOFER
queerverweis: Mit Penis oder gar nicht
Von KAROLIN KOLBE
heimspiel: Undramatische Liebe
Von LOTTE ANTI-ÖDIPUSSI
leib & leben: Müder Widerstand
Von BIANCA RIEDMANN
positionswechsel: Kaffeehaus-Porn
Von ERON
RUBRIKEN
an.frage
„Hohle Rhetorik“
Sprechblase
„Ms. Pokerface“
PLUS MINUS
Kampf gegen Benachteiligung – Flock-Kameras
medienmix
Wortgewaltig, Wissenschaft, Werkeln
Vorgestellt
Craftistas
feminist classics
Born in Flames
an.künden
Veranstaltungstipps
Die FILMLÖWIN empfiehlt: Die noch unbekannten Tage
Von BIANCA JASMINA RAUCH
KOMMENTAR
an.spruch: Der Eisberg der Übergriffigkeit
Grenzüberschreitungen sind allgegenwärtig.
Wir müssen neu lernen, Grenzen zu setzen – und die anderer zu akzeptieren.
Von REHZI MALZAHN