Von Bianka Riedmann
Früher habe ich meine Wut meistens produktiv genutzt. Wenn ich auf Ableismus oder fehlende Barrierefreiheit stieß, schrieb ich schon mal E-Mails oder klärte auf Instagram über negative Erfahrungen als Mensch mit Behinderung auf.
Heute fehlt mir die Kraft, aus dieser Wut etwas Nützliches zu machen. Nicht, weil es mir egal geworden wäre. Sondern weil ich erschöpft bin von dem Gefühl, dass all dieses Tun am Ende nichts verändert.
Menschen mit Behinderungen sollen ständig kämpfen: gegen Barrieren, Vorurteile, Ungleichbehandlung, Kürzungen und Entscheidungen, die über ihre Köpfe hinweg getroffen werden. Wir sollen in Arbeitsgruppen sitzen, Stellungnahmen schreiben, Missstände aufzeigen, Petitionen unterschreiben und am besten auch noch dankbar sein.
Aber woher soll die Kraft dafür kommen? Mein Alltag besteht bereits aus Kämpfen rund um Hilfsmittel, Assistenz und Organisation. Ich kämpfe schon genug dafür, dass mein Leben einfach nur funktioniert.
Währenddessen werden Budgets gekürzt, Inklusion infrage gestellt und Barrierefreiheit wird wieder zur Verhandlungssache. Wir diskutieren Dinge neu, die längst selbstverständlich sein sollten.
Meinen Frust darüber hören heute eher die Leute, die mir nahestehen, als jene, die tatsächlich etwas verändern könnten. Meine Wut hat sich in Erschöpfung gewandelt. Ich weiß, das ist bitter.
Umso dankbarer bin ich für diejenigen, die weiterkämpfen, die sich nicht kleinkriegen lassen und immer wieder die Kraft finden, ihre Stimme zu erheben. Wir brauchen diese Menschen gerade jetzt mehr denn je.
Was mich am wütendsten macht: dass Inklusion nur vorankommt, wenn Betroffene noch genügend Kraft haben, sie immer wieder einzufordern. Das ist keine Inklusion. Es ist ein System, das darauf setzt, dass wir irgendwann aufgeben.
Bianca Riedmann ist müde vom Kämpfen – und wütend darüber, dass es noch immer nötig ist.