May Ayim (1960-1996) war Dichterin, Pädagogin und Gründungsmitglied der Initiative Schwarze Deutsche. Als Kind einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters wuchs sie bei einer Familie in Münster auf. In den 1980er-Jahren traf sie in West-Berlin auf Audre Lorde, aus dieser Begegnung entstand nicht nur das Netzwerk Schwarzer Aktivistinnen, sondern 1986 auch das Buch „Farbe bekennen“, die erste Textsammlung afrodeutscher Frauen. Als Pionierin kritischer Weißseinsforschung betrachtete Ayim Rassismus und Sexismus als untrennbar verschränkt – bevor es den Begriff Intersektionalität überhaupt gab. Bis zu ihrem Tod thematisierte sie in ihrer Lyrik eindrücklich die Erfahrungswelten Schwarzer Frauen in Deutschland.