Von Dieter Breitwieser-Ebster
Thermenhotel im Waldviertel – so wie jedes Jahr. Seit über zehn Jahren schon verbringen wird dort mit meiner Herkunftsfamilie ein gemeinsames Wochenende. Wir leihen uns der Einfachheit halber ein Auto, es wird vollgepackt mit unserer halben Wohnung und zwei Paar Ersatzschuhen. Obwohl wir nur das Nötigste mitnehmen wollten. So wie jedes Jahr. Nur für den Fall. Hoffentlich sind wir diesmal im Gestiefelten-Kater-Zimmer. Oder zumindest im Schneewittchen. Es wird ein Wochenende voller Mahlzeiten mit den Eltern, meinem Bruder und dessen eigener Familie, denselben Ausflügen wie im Jahr zuvor, Stille am Esstisch, Schnaps, noch mehr Essen und wiedererlebter Kindheit. Mag ich es? Es ist etwas kompliziert. Wenn ich mit meinen Eltern und meinem Bruder Zeit verbringe, bin ich ein Stück weit wieder der kleine Bub von damals. Geht euch doch auch so, oder? Obwohl ich 45, verheiratet und Vater von zwei Kindern bin, werde ich stets auch das Kind meiner Eltern und der kleine Bruder sein. Das rührt und erzürnt mich jedes Jahr aufs Neue. Ich kann nicht aus meiner Haut, will Veränderung und doch nichts anderes als das junge Ich in mir: Anerkennung und Liebe. Und wie kann die Elterngeneration mir das geben? Indem mein Papa mir vorm Wegfahren sagt, ich solle den Reifendruck beachten und vorsichtig fahren und meine Mama Früchte und selbstgemachte Marmelade mitbringt. Mit meinem Bruder wird lustbetont gestritten, wir necken uns so wie früher und gehen uns gegenseitig auf die Nerven. Gerade so, dass wir nicht am Boden rumkugeln und uns kitzeln. Also alle anschnallen, es ist vollgetankt, die Reifen kontrolliert, wir haben freien Platz für die Care-Pakete aus Oberösterreich und ich habe den ersten Schmäh für meinen großen Bruder parat. Lasst uns eine schöne Zeit haben!
Dieter Breitwieser-Ebster fährt auf einen Wochenend-Trip. Mit der gaaaanzen Familie.