Ich liebe Sex zu dritt – in der Fantasie, aber auch in der Praxis. Besonders in meiner Single-Zeit mit Anfang zwanzig waren Dreier ein wichtiger Teil meines Selbstfindungs- und Outingprozesses. Auch heute noch denke ich gerne an meine „wilde Phase“ zurück. Bis mir ein Reel über lesbisches Dating in meinen Instagram-Feed gespült wurde.
„The worst are straight couples looking for unicorns“, sagt die junge Frau im Video und blickt angewidert in die Kamera. Ich scrolle mich durch hunderte zustimmende Kommentare, die von irreführenden Profilen oder übergriffigen Erfahrungen mit sogenannten Unicorn-Hunters berichten. Damit sind vor allem heterosexuelle Paare gemeint, die eine bisexuelle oder queere Frau für ihre sexuellen Abenteuer suchen.
Beim Lesen stellt sich mir immer mehr die Frage: War ich selbst auch Teil des Problems?
Nach dem Umzug in die Großstadt machte ich erste Erfahrungen außerhalb der monogamen Heterobeziehung und entdeckte dabei meine Vorliebe für Sex mit mehr als einer Person. Um mir diese Fantasie zu erfüllen, war Tinder der einfachste Weg. Als queere cis Frau hatte ich die Qual der Wahl unter all den Einhorn suchenden Paaren.
Erst viele Jahre später verstehe ich die Problematik: Von vielen dieser Paare wird „die Dritte“ nicht als Mensch mit Bedürfnissen angesehen. Stattdessen suchen sie ein lebendiges Sextoy, um eine häufig kriselnde Beziehung aufzupeppen und Male-Gaze-Fantasien zu erfüllen. Queere Sexualität wird dabei fetischisiert.
Trotzdem fällt mir eine Einordnung schwer. Denn ein großer Teil des Reizes bestand für mich auch immer darin, vorübergehend zur Projektionsfläche zu werden. Die Objektifizierung war also wichtiger Teil des Ganzen – und in meinem Fall absolut freiwillig. Dennoch weiß ich nicht, ob ich wieder als Unicorn daten würde. Vielleicht hat die Fantasie mit der Zeit ihren Reiz eingebüßt, vielleicht habe ich mir aber auch einfach das Einhorn abgestoßen.
Mara Klee ist heute in einer glücklichen lesbischen Beziehung und lebt in einer Kleinstadt, schwelgt aber gerne in Erinnerungen.