Mit „The Monday Talks“ betreibt Alina Kuhl ihre feministische Aufklärungsarbeit gegen patriarchale Gewalt vor allem auf Social Media. Denn via TikTok ließe sich oft mehr bewegen als mit einem Buch. Von Irem Demirci
Eigentlich wollte Alina Kuhl nur ein Talkformat machen. TikTok sollte helfen, Leute auf ihre monatliche Talkshow „The Monday Talks“ aufmerksam zu machen. Doch ihre Fangemeinde blieb auf Social Media. Und wuchs. Auch wenn sie weiterhin auch einen Podcast betreibt – heute macht Alina Kuhl ihre feministische Aufklärungsarbeit gegen Gewalt an Frauen vor allem auf Instagram.
Ihr Anspruch ist dabei bewusst niedrigschwellig. Nichts von dem, was sie sagt, sei neu, betont sie im an.schläge-Interview. Es gehe darum, dieses Wissen dort zu verbreiten, wo es bisher nicht angekommen ist. Der Großteil der Gesellschaft glaube noch immer, das Patriarchat sei Geschichte, seit Frauen wählen und ein Konto eröffnen dürfen.
Sinnvoll wäre jedoch, nicht erst bei der Aufklärungsarbeit anzufangen, „sondern ganz am Anfang anzusetzen, wirklich schon im Kindergarten, in der Schule“, sagt sie. „Ich sehe das bei einer Freundin, wie sie ihr Kind erzieht, das schon lernt, nach Konsens zu fragen. Mit drei Jahren fragt er schon: ‚Darf ich dich umarmen?‘ Und er lernt auch selber, Nein zu sagen. Die Oma muss dich nicht immer küssen, wenn du das nicht möchtest.“ Was banal klingt, ist für Alina Kuhl grundlegend: Viele Menschen hätten nie gelernt, eigene Grenzen zu kennen oder die anderer zu respektieren.
Wie sie damit umgeht, dass Gewalt gegen Frauen politisch immer wieder rassistisch instrumentalisiert wird? Faktisch, sagt sie, gehe die Gewalt in Deutschland überwiegend von weißen cis Männern aus. Entsprechend wichtig sei es, die rassistische Vereinnahmung des Themas anzuerkennen und intersektional zu arbeiten – also Rassismus und Sexismus nicht gegeneinander auszuspielen, sondern zusammen zu denken.
Social Media sei dabei ein Einstieg. „Ich glaube, man kann dadurch einfach viel mehr Menschen abholen, weil Leute, die sich noch nie in ihrem Leben mit Feminismus auseinandergesetzt haben, die werden keinen feministischen Podcast hören oder feministische Bücher lesen.“ Doch das Thema müsse im Alltag ankommen – durch Schulungen am Arbeitsplatz, in Lesegruppen, in Gesprächen. Seit sie selbst ehrenamtlich bei einem Hilfetelefon tätig ist, erlebe sie, wie viele Menschen sich öffnen, sobald jemand anfängt, offen über Gewalt zu sprechen. Betroffene, die lange geschwiegen haben. „Dann sieht man das richtige Ausmaß“, sagt sie. Und dann komme auch die Wut. „Wut, glaube ich, ist wichtig für Veränderungen.“