Von Sophia Krauss
Anfang März schafften es die Ergebnisse einer Studie in all unsere Feeds: Gen-Z-Männer sind konservativer als Boomer! Ein knappes Drittel ist überzeugt, dass Ehefrauen ihren Ehemännern zu gehorchen haben. Anlässlich des Weltfrauentags wurde die Untersuchung in 29 Ländern durchgeführt. Dabei fiel eben auf: In allen Ländern waren es überraschenderweise die jüngsten Männer, die unter allen befragten Personengruppen die traditionellsten Auffassungen vertraten. Bei den männlichen Babyboomern forderten deutlich weniger – wenn auch weiterhin noch 13 Prozent – die Unterwerfung der Frau unter ihren Ehegatten. Ein Befund, der in den letzten Jahren im zunehmend rechten bzw. konservativen Wahlverhalten junger Männer Niederschlag gefunden hat. Auch andere internationale Studien hatten zuletzt gezeigt, dass es in vielen Ländern zunehmend einen ideologischen Gender-Gap unter jungen Menschen gibt. Junge Frauen vertreten im Durchschnitt häufiger progressive bzw. links-liberale Positionen, während junge Männer zunehmend konservative Einstellungen haben – ganz besonders, wenn es um Feminismus geht.
Allerdings wurde bald Kritik am mangelhaften Forschungsdesign laut. Durchgeführt wurde die neue Studie von „Ipsos“, einem kommerziellen Marktforschungsunternehmen, das ein großes Interesse daran hat, möglichst aufsehenerregende Daten zu publizieren, die in der medialen Aufmerksamkeitsökonomie besonders gut performen. Zumindest für Österreich kam immerhin die Ö3-Jugendstudie 2025 vor Kurzem erfreulicherweise zu einem ganz anderen Ergebnis. „Die jungen Menschen vertreten gleichberechtigtere Haltungen als die älteren.“ Und das betrifft alle Geschlechter.
Doch tatsächlich scheinen rechte und frauenfeindliche Ideologien bei jungen Männern vielerorts auf dem Vormarsch zu sein. Durch maskulinistische Influencer, die von radikalem Frauenhass und Verschwörungsideologien leben, verbreiten sie sich vor allem auf Social Media in besorgniserregendem Tempo.
Ungeschönte Einblicke in diese Szene junger, männlicher Streamer gewährt die neue Netflix-Doku „Inside the Manosphere“ von Journalist Louis Theroux. Dass der Einfluss dieser Influencer nicht zu unterschätzen ist, zeigt schon der Blick auf ihre Followerzahlen. So hat etwa der rechte Streamer mit dem Alias Sneako alleine auf YouTube aktuell 1,3 Millionen Abonnent*innen. In Therouxs Doku führen Männer wie Sneako ihre Partner*innen vor, entmenschlichen Sex-Arbeiter*innen und schwurbeln von Satan, der die Welt regiere. Auf junge Männer nehmen diese radikalen Stimmen zweifelsfrei Einfluss. Um ihre tatsächliche Wirkmächtigkeit analysieren und Gegenstrategien erarbeiten zu können, bräuchte es jedoch seriöse Studien – und keine Headlines, die mit Schockprognosen Klicks generieren. Ein Protagonist, Harrison Sullivan, online bekannt als HsTikkyTokky, sagt in der Doku gegenüber Louis Theroux, dass er mit akzeptablem Verhalten nicht berühmt geworden wäre, die ideologische Provokation wird immer häufiger zur Erfolgsstrategie. Das Netz verlangt nach Radikalität, differenzierte Auseinandersetzungen und Ambivalenz erzeugen schließlich selten einen Hype.
Allerdings findet der konservative Vibe-Shift leider nicht nur in radikalisierten Online-Communitys statt. Superstar Taylor Swift besingt plötzlich die heterosexuelle Zweierbeziehung, vor allem auf dem US-Markt boomt Mainstream-Pop mit christlichen Botschaften, der ganz wunderbar als Soundtrack für Tradwife-Content funktionieren würde – vom frommen Leben als Ehefrau berichten zunehmend auch deutschsprachige Influencerinnen. Schauspieler Timothée Chalamet, einst Liebling weiblicher und queerer Fans, experimentiert indes nicht länger mit femininen Outfits, sondern tritt in Mackerpose auf. In einem Interview erklärte er, unbedingt Vater werden zu wollen und zeigte Unverständnis für freiwillig kinderlose Menschen. Dass sich politische Verhältnisse auch in der Popkultur manifestieren, ist wenig verwunderlich – von der Retraditionalisierung, die uns plötzlich als hip verkauft wird, sollten wir uns aber keinesfalls einlullen lassen. Gen-Z-Dudes brauchen jedenfalls dringend neue Vorbilder.