Von Sophia Krauss
Im Mai veröffentlichte der „Deutschlandfunk“ einen fesselnden, sechsteiligen Podcast über den Tech-Investor, Milliardär und Trump-Supporter Peter Thiel. Thiels Lebensgeschichte, seine intellektuellen Vorbilder und Ziele – alles so entertaining und kurzweilig aufbereitet, als würde man einen Actionthriller schauen. Thiel spielt den schurkenhaften, hyper-intelligenten Bösewicht, der die westliche Demokratie ins Chaos stürzt. Man gruselt sich und ist irgendwie doch unheimlich fasziniert von ihm.
Die Macher_innen hegen wohl keine unterdrückten Sympathien für Thiel. Vielleicht aber kann man an ihrem Podcast und ähnlichen aktuellen journalistischen Formaten trotzdem einen beunruhigenden Trend ablesen. Der Podcast-Verantwortliche Fritz Espenlaub fasst es selbst zusammen mit: „Die öffentliche Meinung scheint schlagartig konservativer geworden zu sein“ – und das fängt vielleicht auch die Stimmung in den Medien ein. Der Podcast mutet teilweise mehr als spannungsgeladenes True-Crime-Format an, eine klar formulierte Kritik fehlt. Der mediale Umgang mit Thiel ist ein Paradebeispiel für das derzeitige Kokettieren mit rechten Edgelords, also Personen, die sich mit besonders extremen Ideologien das Medieninteresse sichern.
Sie werden mitunter auf eine verquere Art irgendwie angehimmelt. Kolumnist Ijoma Mangold schreibt so in der „ZEIT“: „Niemand verkörpert diesen neuen Typus des Milliardärs, der von Ideen getrieben wird, vollkommener als der Risiko-Kapital-Investor Peter Thiel.“ Dieser mache sich schließlich Gedanken über unsere Welt, „die so exzentrisch sind, dass sie sonst niemand teilt.“ Das mag für seine besonders abstrusen Ideen gelten, im Kern aber liegt Mangold falsch – schließlich zeichnet sich allein am Wähler_innenverhalten der zunehmende Aufstieg der Rechten ab. Peter Thiel war dabei einer der ersten öffentlichen Unterstützer Trumps.
Doch in der medialen Beschäftigung mit Thiel & Co bleibt es allzu oft bei der dunklen Mystifizierung, selten wird klar benannt, wie offensichtlich faschistisch seine Ideen sind. Es bleibt meist eine Randnotiz, dass Thiel sogar das Apartheidssystem Südafrikas in Schutz nahm. Oder dass Thiel glaubt, dass eine weiße Elite dazu berechtigt ist, die Demokratie zugunsten des technischen Fortschritts außer Kraft zu setzen. Der Essayist John Ganz hat es schon vor wenigen Jahren auf den Punkt gebracht: „Es gibt kein Rätsel. Er ist ein Faschist.“ Auch der Podcast „Feminist Shelf Control“ hat Thiel kürzlich eine kritische Folge gewidmet.
In „Die Peter Thiel Story“ tritt auch der rechte Impulsgeber Curtis Yarvin auf. Porträtiert wird er dort als das Enfant terrible, das Thiel mit seinen anti-demokratischen, abtrünnigen Ideen faszinierte. Auch die „New York Times“ bot Yarvis Anfang des Jahres eine Plattform. Sie inszenierte ihn in glamourösem Schwarz-Weiß als eine Art Rockstar-Philosoph, mit wilder Frisur und abgewetzter Lederjacke. Im Interview darf er dann weiterhin behaupten, der Amerikanische Bürgerkrieg mitsamt der Befreiung Schwarzer Sklav_innen hätte das Leben von Afroamerikanerinnen nicht verbessert und Nelson Mandela sei mit dem rechtsextremen Terroristen Anders Breivik gleichzusetzen. Story-Telling über vermeintlich rechte „Genies“ lohnt sich jedenfalls. „Die Peter Thiel Story“ belegt laut „podwatch“ derzeit Platz 4 der deutschen Podcast-Charts. Natürlich ist es wichtig, dass rechtsextreme Vordenker wie Thiel oder Yarvin medial eingeordnet werden. Tatsächlich aber arbeiten Journalistinnen mit an der Mystifizierung und Glorifizierung der Vordenker eines neuen Techno-Faschismus. Statt ihre menschenfeindlichen Ideen zu zerpflücken und in einen historischen Kontext zu setzen, sind Qualitätsmedien voll von spannungsgeladenen Porträts von Yarvin und Co. Mediale Logiken der Personalisierung und der Prominenz vermischen sich mit dem neuen rechten Zeitgeist zu einer ebenso zynischen wie toxischen Mischung: Dort, wo einst Greta Thunberg vom Cover lachte, tut es jetzt Peter Thiel.
Wie aber geht es der ungewollt Schwangeren ohne Erspartes in einem der vielen US-Bundesstaaten, die Abtreibung fast verunmöglichen? Wie kämpfen feministische Organisationen dafür, die Versorgung gegen alle Widerstände aufrechtzuerhalten, gerade für Frauen, die sich wegen der brutalen Razzien durch die Einwanderungsbehörde ICE kaum noch auf die Straße wagen? Das sind die Geschichten, die wir auch hier in Europa brauchen. Medien haben die historische Verantwortung, sie zu recherchieren statt den Techno-Faschismus durch Glorifizierung groß zu machen.